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Kultur

Antike Cannabis-Rituale: die Funde von Jirzankal und Arad

Chemische Rückstände verbinden Cannabis mit zwei antiken Ritualorten; Erlebnisse und medizinische Zwecke bleiben davon getrennte Fragen.

Antike Ritualszenen rund um ein Cannabisblatt

Cannabis an zwei antiken Ritualorten

Cannabis gehörte zu Totenritualen in Jirzankal im Pamir und zu Opferhandlungen im judäischen Heiligtum Tel Arad. Chemische Rückstände verbinden die Pflanze mit hölzernen Kohlebecken und einem Steinaltar und geben den Praktiken Ort, Gegenstand und ungefähre Datierung. Die Stätten gehören zu verschiedenen Gesellschaften: ein zentralasiatisches Gräberfeld und ein heiliger Raum in einer eisenzeitlichen Festung der Levante.

[1] Ren et al. · Jirzankal residues, Science Advances2019[2] Arie, Rosen and Namdar · Arad shrine,2020

Jirzankal, etwa 500v.Chr.

Das Gräberfeld liegt im heutigen Westchina. Eine Forschungsarbeit von 2019 beschrieb cannabisbezogene Rückstände in hölzernen Kohlebecken aus ungefähr 2.500 Jahre alten Gräbern und deutete sie als Verbrennung bei Totenzeremonien. Die Gegenstände verbinden Cannabis mit gemeinschaftlicher Bestattung und Erinnerung.

[1] Ren et al. · Jirzankal residues, Science Advances2019

Arad, achtes Jahrhundert v.Chr.

Das Heiligtum enthielt zwei Kalksteinaltäre.2020 veröffentlichte Analysen identifizierten Cannabinoide auf dem kleineren und Weihrauch auf dem größeren. Zwei unabhängige Labore untersuchten die dunklen Rückstände. Verschiedene pflanzliche Substanzen waren somit benachbarten Ritualgegenständen im selben heiligen Raum zugeordnet.

[2] Arie, Rosen and Namdar · Arad shrine,2020

Was die Gegenstände bewahren

Erhalten sind kleine Materialspuren auf Oberflächen, keine vollständigen Zeremonien. Historisch ist der Unterschied zwischen einem Becken im Gräberfeld und einem Tempelaltar dennoch erheblich. In Jirzankal begleitete Cannabis Zeremonien für Verstorbene, in Arad gehörte es zur materiellen Umgebung von Opferhandlungen. Die Pflanze ging in mehr als eine gemeinschaftliche Ritualform ein.

[1] Ren et al. · Jirzankal residues, Science Advances2019[2] Arie, Rosen and Namdar · Arad shrine,2020

Ritual und Medizin

Die Funde belegen rituelle Zusammenhänge, keine Diagnosen oder klinische Wirksamkeit. Ihr historischer Beitrag liegt in der Verbindung von Cannabis mit konkreten Zeremonialorten. An die Stelle einer undifferenzierten antiken Nutzung treten zwei durch Geografie, Zeit und religiöse Tradition getrennte Situationen.

[1] Ren et al. · Jirzankal residues, Science Advances2019[2] Arie, Rosen and Namdar · Arad shrine,2020

Quellen und weiterführende Lektüre

Allgemeine Informationen, keine individuelle Rechts- oder medizinische Beratung.