
Meditation und Rausch verändern das Erleben unterschiedlich
Cannabis kann während der Meditation Körperempfindungen, Gedanken und das Zeitgefühl verändern. Ein intensiveres Erleben bedeutet jedoch nicht unbedingt stabilere Aufmerksamkeit. Meditation übt, die Bewegung der Aufmerksamkeit wahrzunehmen und sie wiederholt auf einen gewählten Gegenstand wie den Atem zurückzuführen. THC kann Wahrnehmung verändern und zugleich Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigen. Deshalb kann sich eine Sitzung ungewöhnlich lebendig anfühlen, ohne bessere Meditationsfähigkeiten zu belegen.
Was die Rückkehr zum Atem trainiert
Bei einer Meditation mit konzentrierter Aufmerksamkeit gehört Ablenkung zur Übung: Ein Gedanke taucht auf, die Person bemerkt ihn und richtet die Aufmerksamkeit wieder auf den Atem. Achtsamkeit ergänzt eine Haltung, Empfindungen und Gedanken zu beobachten, ohne sofort darauf zu reagieren. Entscheidend ist daher nicht einfach, weniger Gedanken zu haben oder sich angenehm losgelöst zu fühlen. Es geht um einen anderen Umgang mit den auftauchenden Gedanken.
Ein ruhiger Raum, ein vertrauter Ablauf und Anleitung können eine Sitzung ebenfalls beeinflussen. Sie verringern konkurrierende Anforderungen und geben der Übung Struktur. Dafür ist kein Cannabinoid erforderlich. Diese Einflüsse erschweren es außerdem, eine angenehme Gruppensitzung allein Cannabis zuzuschreiben.
Warum sich Zeit ausgedehnt anfühlen kann
In einer placebokontrollierten Untersuchung mit 44 Personen führte intravenöses THC zur Überschätzung vergangener Sekunden und zur Produktion kürzerer Zeitintervalle. Bei häufig Konsumierenden waren die Effekte schwächer. Dieses Experiment von 2013 erklärt konkret, warum eine kurze Meditation ungewöhnlich lang erscheinen kann: Die subjektive Uhr hat sich verändert.
Ein weites Zeitgefühl kann angenehm sein, misst aber das Erleben statt anhaltender Aufmerksamkeit. Jemand kann einen Zeitraum als reich und ausgedehnt wahrnehmen und gleichzeitig eine Anweisung vergessen. Umgekehrt kann eine gewöhnlich wirkende Sitzung wiederholte erfolgreiche Rückkehr zum Atem umfassen. Beides ist vereinbar, weil Zeitwahrnehmung und Aufmerksamkeitssteuerung verschiedene Funktionen sind.
Was ein Aufmerksamkeitsexperiment ergab
Eine randomisierte Crossover-Studie mit 24 Teilnehmenden von 2010 zeigte bei steigender THC-Exposition geringere Genauigkeit und längere Reaktionszeiten. Messungen der Hirnantwort deuteten eher auf verringerte allgemeine Verarbeitungsressourcen als auf eine einheitliche Störung der selektiven Aufmerksamkeit hin.
Beim Yoga ist diese Unterscheidung relevant. Eine Anweisung hören, die Bewegung erkennen und die Haltung anpassen bilden eine Abfolge, auch wenn jeder Schritt mühelos erscheint. Eine lebendige Körperempfindung belegt nicht, dass diese Abfolge genauer geworden ist. Das Experiment nutzte eine Laboraufgabe, keinen Yogakurs: Es erklärt einen Aufmerksamkeitsmechanismus, ohne Yogaleistung direkt zu messen.
Warum THC und CBD getrennt betrachtet werden müssen
THC veränderte in der Studie mit 44 Personen die Zeitschätzung: Die Teilnehmenden überschätzten verstrichene Intervalle und erzeugten kürzere Intervalle beim Nachbilden einer Dauer. Häufig Konsumierende reagierten schwächer. In der Aufmerksamkeitsstudie mit 24 Personen verlangsamte THC die Antworten und verringerte ihre Genauigkeit. Ein Gefühl meditativer Versunkenheit kann somit mit schlechterer Aufmerksamkeit einhergehen.
Quellen und weiterführende Lektüre
Allgemeine Informationen, keine individuelle Rechts- oder medizinische Beratung.
