SPANIEN / EUROPASpanien im Kontext.
Kultur

The Green Haven: eine Kurzgeschichte aus einem erfundenen Valencia

Fiktion über ein Foto, eine gestrichene Tür und die Menschen, die eine kleine Gemeinschaft zusammenhalten.

Dramatische Collage eines spanischen Turms und historischer Figuren

Die grüne Tür

Dies ist eine erfundene Geschichte. Personen und Verein sind fiktiv.

Alex bemerkte die grüne Tür, weil jemand so sorgfältig um den Messinggriff gestrichen hatte, dass eine kleine Insel alter blauer Farbe geblieben war. Drinnen versuchte Elena, eine Leiter mit einer gefalteten Zeitung auszubalancieren. Der Green Haven war ein Kulturverein zum Thema Cannabis. Ein Foto war hinter einen Schrank gerutscht. Elena reichte es Alex: zwölf Menschen, eine Wand voller Zeichnungen und dieselbe Tür, damals blau, offen zur Straße.

Der fehlende Name

Auf der Rückseite standen elf Namen. Die zwölfte Person hielt am Bildrand einen Rahmen, dessen Glas zur Kamera zeigte. Sonnenlicht hatte ihr Gesicht ausgelöscht. Elena kannte die meisten anderen aus Erzählungen ihres Vaters. Der Mann mit dem Rahmen sagte ihr nichts. Alex schrieb die Namen in sein Notizbuch. Bis zum Abend hatten drei Mitglieder drei Erklärungen angeboten: ein Maler zu Besuch, ein Cousin aus Frankreich, ein Mann, der Fenster reparierte.

Luis erinnert sich an den Regen

Luis kam am nächsten Nachmittag mit einem Regenschirm, obwohl der Himmel klar war. Er betrachtete das Foto, lachte und zeigte auf den Rahmen. „Der gehörte mir. Ich habe das Glas auf dem Weg hierher zerbrochen.“ Die Ausstellung war in einer regnerischen Woche entstanden. Nachbarn brachten Zeichnungen, Postkarten und Fotos weggezogener Menschen. Der Mann am Rand hieß Tomás, der Glaser von unten. Er hatte das Glas kostenlos ersetzt und beim Aufhängen geholfen.

Eine Kiste unter der Treppe

Elena fand das Ausstellungsheft in einem Karton unter der Treppe. Darin standen gewöhnliche Ausgaben: Haken, Papier, zwei Glühbirnen, Brot. Zwischen den Seiten lag eine kleine Zeichnung eines Stuhls neben einem offenen Fenster. Auf der letzten Seite hatte Tomás geschrieben: „Lasst einen Platz für jemanden, der später kommt.“ Alex las es vor. Luis setzte sich langsam. Für einen Augenblick hörte man nur einen vorbeifahrenden Bus. Dann rückte Elena einen Stuhl von der Wand.

Platz für ein weiteres Bild

Eine Woche später hing das Foto am Eingang. Elena brachte ein schmales Regal für das Heft an, Luis den reparierten Rahmen, der jahrelang in seinem Flur gestanden hatte. Sie setzten die Stuhlzeichnung hinein. Auf Alex' neuem Foto spiegelten sich die drei schwach im Glas. Hinter ihren Spiegelbildern stand die grüne Tür, daneben ein freier Stuhl. Als es klingelte, ließ Elena ihn stehen und begrüßte den Menschen draußen.

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