
Der Körper bildet eigene Cannabinoide
Das Endocannabinoidsystem erklärt, warum Bewegung und Cannabis in derselben wissenschaftlichen Diskussion vorkommen können. Endocannabinoide sind körpereigene Signalmoleküle, kein THC aus der Cannabispflanze. Forschung zu bewegungsbedingten Veränderungen dieser Moleküle untersucht eine innere physiologische Reaktion. Daraus folgt nicht, dass eine Yogastunde ein von außen zugeführtes Cannabinoid benötigt.
Was ein Laufexperiment zeigte
Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie von 2021 verglich bei 63 Personen 45 Minuten moderates Laufbandlaufen mit Gehen. Laufen steigerte die Euphorie und verringerte Angst. Diese Veränderungen traten auch nach Naltrexon auf, das Opioidrezeptoren blockiert. Das Ergebnis stellte eine ausschließlich auf Endorphine gestützte Erklärung des Runner’s High infrage und machte Endocannabinoidsignale zu einem starken Kandidaten. Untersucht wurde Laufen, kein cannabisbegleitetes Yogaprogramm.
Yoga besitzt eigene klinische Evidenz
In einer anderen Studie wurden 226 Erwachsene mit generalisierter Angststörung über zwölf Wochen mit Kundalini-Yoga, kognitiver Verhaltenstherapie oder Stressaufklärung behandelt. Die Ansprechraten betrugen 54,2 Prozent für Yoga, 70,8 Prozent für Verhaltenstherapie und 33 Prozent für Stressaufklärung. Yoga war der Aufklärung überlegen; seine Nichtunterlegenheit gegenüber Verhaltenstherapie wurde jedoch nicht nachgewiesen. Cannabis war nicht die untersuchte Intervention.
Ein anderes Gefühl ist keine bessere Bewegung
Auch Forschung zu Cannabis und Sport trennt subjektives Erleben von Leistung. Eine Studie der University of Colorado mit 42 erfahrenen Läufern fand mehr Freude bei cannabisbegleiteten Laufbandeinheiten, während sich THC-Einheiten anstrengender anfühlten. Daraus lässt sich kein besseres Gleichgewicht, keine bessere Ausrichtung und kein leichteres Lernen beim Yoga ableiten. Bewegungsbedingte Stimmung, ein strukturiertes Yogaprogramm und Cannabisrausch sind drei unterschiedliche Effekte. Ihre gemeinsame Benennung macht daraus keine nachgewiesene Therapie.
Quellen und weiterführende Lektüre
Allgemeine Informationen, keine individuelle Rechts- oder medizinische Beratung.
